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11.02.2016

‚Abgas-Deal der EU schadet Frankfurt‘

Rosemarie Heilig und Stefan Majer kritisieren erlaubten unbegrenzten Stickoxid-Ausstoß

(pia) Der Erfolg der Frankfurter Umweltzone im Kampf gegen den Feinstaub lässt sich beim Thema Stickoxide nicht so einfach wiederholen. Denn laut einer Abmachung der EU mit der Fahrzeugindustrie dürfen Diesel-Pkw noch viele Jahre lang deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen, als in der seit September 2015 gültigen Euro 6-Norm vorgeschrieben sind. „Während Feinstaub in Frankfurt kein bestimmendes Thema mehr ist, wird an der Friedberger Landstraße im Jahresmittel noch immer der europäische Grenzwert für Stickoxide überschritten“, teilte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig mit. „Doch die EU hat ihre eigenen Vorschriften für Diesel-Pkw nun so weit verwässert, dass Euro 6 für gesunde Luft in den Städten keinen Durchbruch mehr bringt.“

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Sandra Mann
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Laut der neuen Norm dürfen Neuwagen maximal 80 mg je gefahrenem Kilometer an Stickoxiden ausstoßen. Die EU erlaubt nun jedoch auf Druck – insbesondere der deutschen Diesel-Lobby – im realen Betrieb bis 2017 einen praktisch unbegrenzten Ausstoß. Von September 2017 bis 2020 dürfen neue Diesel-Pkw noch mehr als die doppelte Menge an Stickoxiden ausstoßen, ab 2020 sind im realen Betrieb noch 120 mg/km erlaubt. „Für die Luftqualität in den Städten zählt nicht, welche Grenzwerte Autos auf dem Papier erfüllen, sondern was tatsächlich aus dem Auspuff kommt – und das ist mit Segen der EU viel zu viel“, kritisierte Heilig.

Nach der Umweltzone, die auf Feinstaub abzielte, hat Frankfurt viele weitere Maßnahmen umgesetzt, um auch die Stickoxid-Belastung zu senken. „Bei den Emissionsvorgaben für neue Linienbusse, um nur ein Beispiel zu nennen, sind wir bundesweit Vorbild“, sagte Verkehrsdezernent Stefan Majer. Im Frankfurter Westen hat dies 2015 zu einem großen Fortschritt geführt. Nach Neuvergabe eines Linienbündels erfüllen dort jetzt etwa 80 Prozent der Busse Euro 6. Prompt konnte an der Luftmessstation am Bahnhof Höchst erstmals der europäische Grenzwert für das NO2-Jahresmittel in Höhe von 40 µg/m³ eingehalten werden. An der Friedberger Landstraße hingegen wurden 2015 nach vorläufigen Daten noch etwa 52,8 µg/m³ erfasst.

Frankfurt ist damit keine Ausnahme. Laut Umweltbundesamt überschreiten an weit mehr als der Hälfte der verkehrsnahen Stationen die gemessenen Stickstoffdioxid-Konzentrationen den seit 2010 einzuhaltenden EU-Grenzwert. Hauptverursacher in den Ballungsräumen ist der Straßenverkehr, vor allem Dieselfahrzeuge. Für Nutzfahrzeuge und Busse gelten dabei inzwischen strengere Testzyklen als für Pkw.